Offener Brief der Instituts- und Fachbereichsleiter:innen

Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck, am 31. Jänner 2026 

Offener Brief an BM Wiederkehr zum „Plan Z“ 

Sehr geehrter Herr Bundesminister, 

wir stehen den Instituten bzw. Fachbereichen für Klassische Philologie an den Universitäten Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck vor und haben aus den Medien erfahren, dass Sie die Themen „KI“ und „Demokratie“ an den österreichischen Gymnasien stärken möchten. Mit großer Verwunderung lesen wir, dass Sie dafür die für den Lateinunterricht zur Verfügung stehenden Stunden beschneiden wollen, ohne dass dies mit Fachvertreter:innen vorab sachlich diskutiert wurde. 

Die Themen „KI“ und „Demokratie“ an den Schulen zu stärken, ist in der heutigen Zeit sicherlich dringend erforderlich. Jedoch sollte dies mit Bedacht und nachhaltig umgesetzt werden. Diese Themen dürfen nicht auf Kosten einzelner Fächer eingeführt werden, sondern müssen in den einzelnen Disziplinen grundsätzlich verankert werden, auch damit den Schüler:innen die praktische Relevanz direkt vor Augen gestellt werden kann.

Hierzu muss es auch eine entsprechende Ausbildung der Lehrer:innen im fachspezifischen Studium oder in Fortbildungsveranstaltungen geben. Das vorgeschlagene Vorgehen scheint uns daher nicht nur befremdlich, sondern regelrecht widersinnig: Der Lateinunterricht leistet mit seinen beiden Lungenflügeln, dem Sprachunterricht und dem Lektüre- und Kulturunterricht, gerade für die Bereiche, die Sie in den Vordergrund rücken wollen, Wesentliches: 

Nur eine reflektierte Sprachausbildung, die die Strukturen und die Funktionen von Sprache nachvollziehen lässt, die durch feine Analysen rhetorische Strategien und verborgene Tendenzen von Texten offenlegt, kann zu einem souveränen und aufgeklärten Umgang mit Large Language Models führen. Und gerade die kritische Auseinandersetzung mit Herrschaftslegitimation, die im Laufe der Jahrhunderte für verschiedenste Regierungsformen zumeist in lateinischer Sprache betrieben wurde, führt zu einem vertieften Verständnis für unsere Demokratie und ihren Wert. 

Neben diesen beiden gibt es noch eine Reihe von anderen Argumenten, die gerade in der heutigen Zeit gegen eine Kürzung des Lateinunterrichts sprechen. Wir denken hier an die Rolle von Latein als Brückensprache, die den Erwerb weiterer moderner Fremdsprachen erleichtert, oder Latein als Propädeutikum zum problemlösenden Denken. 

Vor diesem Hintergrund möchten wir Sie bitten, Ihr Vorhaben nochmals zu überdenken und von diesem Weg abzugehen: Es gibt andere, bessere Methoden, um Ihre im Grunde sehr unterstützenswerten Ziele zu erreichen. Für eine zielführende Zusammenarbeit stehen wir gerne zur Verfügung. 

Mit freundlichen Grüßen 

Univ.-Prof. Dr. Stefan Büttner, M.A. (Vorstand des Instituts für Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein, Universität Wien) 

Ap. Prof.in Dr.in Margot Anglmayer-Geelhaar (Leiterin des Fachbereichs Altertumswissenschaften, Universität Salzburg) 

Univ.-Prof.in Dr.in Ursula Gärtner (Leiterin des Fachbereichs Klassische Philologie, Institut für Antike, Universität Graz) 

Univ.-Prof. Martin Korenjak (Vorstand des Instituts für Klassische Philologie und Neulateinische Studien, Universität Innsbruck)